Eine gut gestaltete und möglichst barrierefreie Navigation ist für eine erfolgreiche Website unerlässlich. Sie hilft allen Besuchern, sich auf deiner Seite zurechtzufinden und die gewünschten Informationen oder Funktionen zu finden. Barrierefreiheit bedeutet dabei, dass auch Menschen mit Einschränkungen deine Website ohne Hürden nutzen können. Dazu gehören zum Beispiel Menschen, die einen Screenreader verwenden, ausschließlich mit der Tastatur arbeiten, eine Sehschwäche haben oder motorisch eingeschränkt sind.
Eine barrierefreie Navigation kommt aber nicht nur diesen Personen zugute. Sie verbessert die Usability für alle Besucher, sorgt für ein besseres Nutzererlebnis und wirkt sich zusätzlich positiv auf die Auffindbarkeit deiner Seite in Suchmaschinen aus. In vielen Fällen ist Barrierefreiheit außerdem gesetzlich vorgeschrieben, etwa durch das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, das bestimmte Angebote zur Barrierefreiheit verpflichtet.
Damit deine Navigation für möglichst viele Menschen gut funktioniert, solltest du bei der Gestaltung die folgenden Grundprinzipien beachten.
Barrierefreie Navigation: die wichtigsten Grundprinzipien
Logische Hierarchie
Die Navigation sollte eine logische Hierarchie aufweisen, damit die Besucher schnell erkennen können, wo sie sich befinden und wohin sie gehen können. Ordne deine Inhalte in klar voneinander getrennte Bereiche und vermeide zu viele Ebenen. Als Orientierung gilt: Je flacher die Struktur, desto leichter fällt die Bedienung.
Einfachheit
Die Navigation sollte einfach und intuitiv zu verstehen sein. Die Bezeichnungen der Menüpunkte sollten klar und verständlich sein, und die Links sollten leicht als solche zu erkennen sein. Weniger ist hier oft mehr, denn eine überladene Navigation überfordert deine Besucher.
Anpassungsfähigkeit
Die Navigation sollte für alle Geräte geeignet sein, auf denen deine Website aufgerufen wird. Das bedeutet, dass sie auf Desktopcomputern, Laptops, Tablets und Smartphones gut lesbar und bedienbar sein sollte. Achte darauf, dass Schaltflächen groß genug sind, damit sie sich auch mit dem Finger auf einem Touchscreen sicher treffen lassen. Ein guter Richtwert für Bedienelemente sind mindestens 44 mal 44 Pixel.
Konsistenz
Die Navigation sollte auf allen Unterseiten an derselben Stelle stehen und gleich aufgebaut sein. Wer sich einmal zurechtgefunden hat, findet sich dann überall auf deiner Website zurecht. Konsistenz schafft Vertrauen und reduziert den Aufwand bei der Bedienung.
Wahrnehmbarkeit
Alle Navigationselemente müssen für unterschiedliche Sinne wahrnehmbar sein. Verlasse dich niemals allein auf Farbe, um einen Zustand zu kennzeichnen, etwa den aktiven Menüpunkt. Ergänze Farbe immer durch weitere Merkmale wie Text, Symbole oder eine Unterstreichung, damit auch Menschen mit einer Farbsehschwäche alles klar erkennen können.
Nachdem wir die wichtigsten Grundprinzipien für eine barrierefreie Navigation durchgegangen sind, geben wir dir nun konkrete Tipps für die Umsetzung einer barrierefreien Navigation.
Konkrete Tipps für die Umsetzung einer barrierefreien Navigation
Wenn du die Grundprinzipien in die Praxis umsetzen möchtest, helfen dir die folgenden Tipps weiter.
Verwende eindeutige und beschreibende Menüpunkte
Die Besucher sollten auf einen Blick erkennen können, was sich hinter einem Menüpunkt verbirgt. Vermeide daher Fachbegriffe oder Abkürzungen, die nicht jeder versteht. Ein Menüpunkt wie Leistungen ist verständlicher als eine kreative, aber unklare Bezeichnung.
Verwende eine einheitliche Terminologie
Wenn du mehrere Menüpunkte mit ähnlichen Inhalten hast, solltest du die Bezeichnungen einheitlich gestalten. Dadurch wird es für die Besucher einfacher, die Zusammenhänge zu verstehen. Nenne einen Bereich auf allen Seiten gleich und wechsle nicht zwischen unterschiedlichen Begriffen für dieselbe Sache.
Platziere die Navigation an einer prominenten Stelle
Die Navigation sollte so platziert sein, dass sie von den Besuchern leicht gefunden werden kann. Ein guter Platz ist die Kopfzeile der Seite. Nutzer erwarten das Hauptmenü oben und eine ergänzende Navigation oft im Fußbereich. Wenn du dich an solchen Sehgewohnheiten orientierst, findet sich jeder schnell zurecht.
Sorge für eine gute Bedienbarkeit mit der Tastatur
Nicht alle Menschen bedienen eine Website mit der Maus. Viele Nutzer springen mit der Tabulatortaste von Link zu Link. Achte deshalb darauf, dass sich deine gesamte Navigation allein mit der Tastatur bedienen lässt und dass die Reihenfolge der Sprünge logisch ist. Alle interaktiven Elemente sollten sich mit der Tastatur erreichen und aktivieren lassen.
Mache den Fokus sichtbar
Wenn ein Nutzer mit der Tastatur navigiert, muss immer klar erkennbar sein, welches Element gerade ausgewählt ist. Dieser sichtbare Rahmen wird Fokusindikator genannt. Entferne ihn niemals, sondern gestalte ihn deutlich sichtbar mit einem kräftigen Rahmen oder einer klaren Hervorhebung.
Biete Sprunglinks an
Ein Sprunglink erlaubt es Nutzern, direkt zum Hauptinhalt zu springen und die Navigation zu überspringen. Für Menschen, die mit der Tastatur oder einem Screenreader arbeiten, ist das eine große Erleichterung, weil sie nicht bei jeder Seite erneut das komplette Menü durchgehen müssen. Platziere einen solchen Link ganz oben, sodass er beim ersten Tastendruck erscheint.
Formuliere aussagekräftige Linktexte
Der Text eines Links sollte auch außerhalb seines Zusammenhangs verständlich sein. Vermeide nichtssagende Formulierungen wie hier klicken oder mehr. Screenreader können sich alle Links einer Seite in einer Liste vorlesen lassen, und dann helfen nur beschreibende Texte wirklich weiter.
Kennzeichne den aktuellen Standort
Zeige deinen Besuchern jederzeit, auf welcher Seite sie sich gerade befinden. Hebe den aktiven Menüpunkt hervor und sorge dafür, dass diese Information nicht nur farblich, sondern auch für einen Screenreader erkennbar ist. So behalten alle Nutzer den Überblick über ihre Position auf deiner Website.
Achte auf ausreichende Kontraste
Text und Bedienelemente müssen sich deutlich vom Hintergrund abheben. Für normalen Text gilt ein Kontrastverhältnis von mindestens 4,5 zu 1 als Empfehlung, für große Schrift und grafische Elemente mindestens 3 zu 1. Gute Kontraste helfen nicht nur Menschen mit Sehschwäche, sondern auch allen, die deine Seite bei hellem Sonnenlicht betrachten.
Gestalte Untermenüs zugänglich
Aufklappbare Menüs sind praktisch, bergen aber Hürden. Achte darauf, dass sich Untermenüs nicht nur beim Überfahren mit der Maus öffnen, sondern auch mit der Tastatur erreichbar sind. Sie sollten sich zuverlässig öffnen und schließen lassen, ohne dass ein Nutzer im Menü stecken bleibt. Halte die Anzahl der Ebenen möglichst gering.
Setze auf verschiedene Navigationselemente
Neben klassischen Menüpunkten kannst du auch weitere Navigationselemente einsetzen, um deine Website leichter erschließbar zu machen. Dazu zählen zum Beispiel:
- Brotkrumennavigation, die den Weg von der Startseite bis zur aktuellen Seite anzeigt und die Rückkehr zu übergeordneten Ebenen erleichtert.
- Eine Suchfunktion, mit der Nutzer gezielt Inhalte finden, ohne sich durch das gesamte Menü zu arbeiten.
- Klar erkennbare Schaltflächen für die wichtigsten Handlungen auf deiner Seite.
- Eine ergänzende Navigation im Fußbereich mit weiterführenden und rechtlichen Seiten.
Wenn du mehrere Wege zum Ziel anbietest, kann jeder Besucher den Weg wählen, der für ihn am besten passt.
Nutze eine sinnvolle Struktur im Quelltext
Barrierefreiheit entsteht nicht nur im sichtbaren Design, sondern auch im Code. Verwende semantisches HTML und kennzeichne deine Navigation als solche, damit unterstützende Technologien sie sicher erkennen. Ein Screenreader kann so alle Bereiche einer Seite gezielt ansteuern, und die Nutzer springen bequem zwischen Navigation, Hauptinhalt und Fußbereich.
Auf der Seite der Web Accessibility Initiative findest du Tutorials zur Gestaltung von Navigationsmenüs. Leider gibt es die Seite nur auf Englisch.
Orientierung an anerkannten Standards
Wer sich beim Thema Barrierefreiheit an bewährten Regeln orientieren möchte, findet in den Web Content Accessibility Guidelines, kurz WCAG, einen international anerkannten Standard. Die aktuelle Fassung WCAG 2.2 beschreibt in verschiedenen Stufen, wie zugängliche Inhalte gestaltet werden sollten. In der Praxis gilt die Konformitätsstufe AA als sinnvolles Ziel für die meisten Websites. In Deutschland ergänzt die Barrierefreie Informationstechnik Verordnung, kurz BITV 2.0, diese Vorgaben insbesondere für öffentliche Stellen.
Du musst diese Standards nicht auswendig kennen, um eine bessere Navigation zu bauen. Es hilft aber, sie als Nachschlagewerk zu nutzen und die eigene Website regelmäßig zu prüfen, zum Beispiel mit kostenlosen Testwerkzeugen oder durch eine Bedienung allein mit der Tastatur.
Eine barrierefreie Navigation ist ein Gewinn für alle
Eine barrierefreie Navigation ist kein Zusatz für wenige, sondern ein Gewinn für alle. Wenn du auf eine klare Hierarchie, einfache und einheitliche Bezeichnungen, gute Bedienbarkeit mit Maus und Tastatur, ausreichende Kontraste und eine saubere technische Umsetzung achtest, schaffst du eine Navigation, die deine Besucher zuverlässig unterstützt. Das Ergebnis ist eine Website, die mehr Menschen erreicht, angenehmer zu bedienen ist und ein durchweg positives Nutzererlebnis bietet.
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Nils ist unser Spezialist für User Experience (UX) und barrierefreie Webinhalte. Er ist unter anderem zertifizierter UX-Manager und Certified Professional in Accessibility Core Competencies (CPACC).
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