Barrierefreies Webdesign macht deine Website nicht nur für Menschen mit Beeinträchtigungen zugänglicher. In aller Regel verbessert es auch die Usability, also die Bedienfreundlichkeit, für alle Nutzerinnen und Nutzer. Was vielen Menschen mit einer Behinderung den Zugang überhaupt erst ermöglicht, sorgt bei allen anderen für ein angenehmeres, schnelleres und intuitiveres Erlebnis.
In diesem Beitrag zeigen wir dir anhand konkreter Beispiele, warum sich Barrierefreiheit und gute Bedienbarkeit nicht widersprechen, sondern Hand in Hand gehen. Und warum sich der Aufwand gleich doppelt lohnt.
Kurz erklärt: Barrierefreiheit und Usability
Bevor wir in die Beispiele einsteigen, ein kurzer Blick auf die beiden Begriffe.
Barrierefreiheit bedeutet, dass eine Website von möglichst allen Menschen genutzt werden kann, unabhängig von körperlichen oder kognitiven Voraussetzungen. Dazu zählen etwa Menschen mit einer Seheinschränkung, einer Höreinschränkung, motorischen Einschränkungen oder einer Leseschwäche.
Usability beschreibt, wie einfach, effizient und angenehm sich eine Website bedienen lässt. Eine gut nutzbare Seite führt Besucher schnell zum Ziel, ohne Frust und ohne Rätselraten.
Der spannende Punkt: Beide Ziele überschneiden sich sehr stark. Wer eine Seite barrierefrei gestaltet, verbessert fast immer auch die Usability. Die folgenden Beispiele machen das deutlich.
Klare Struktur und Navigation
Eine barrierefreie Website hat eine logische, übersichtliche Struktur. Das hilft nicht nur blinden Personen, die sich eine Seite mit einem Screenreader vorlesen lassen, sich schnell zurechtzufinden. Es hilft allen Besuchern. Eine konsistente Navigation und aussagekräftige Überschriften sorgen dafür, dass jeder die gesuchten Inhalte leichter findet.
Beispiel: Stell dir vor, du betreibst einen Onlineshop. Eine klare Kategorisierung, sinnvolle Filtermöglichkeiten und eine gut sichtbare Suchfunktion helfen allen Kundinnen und Kunden, das gewünschte Produkt schneller zu finden. Ganz gleich, ob sie eine Seheinschränkung haben oder nicht.
Guter Kontrast und lesbare Schriften
Für Menschen mit einer Seheinschränkung ist ein starker Kontrast zwischen Text und Hintergrund essenziell. Aber auch Menschen mit guter Sehkraft profitieren davon, besonders bei schlechten Lichtverhältnissen oder auf mobilen Geräten. Gut lesbare Schriftarten in angemessener Größe erleichtern allen das Lesen.
Beispiel: Wähle für deinen Blog dunklen Text auf hellem Grund und eine serifenlose Schrift. So können deine Leser die Artikel auch unterwegs auf dem Smartphone mühelos lesen. Wichtig sind dabei außerdem eine ausreichend große Schrift sowie großzügige Abstände zwischen Wörtern und Zeichen.
Textalternativen für Bilder, Grafiken und Videos
Gut formulierte Alternativtexte für Bilder sind für blinde Nutzer unverzichtbar. Sie helfen aber auch, wenn ein Bild nicht geladen werden kann oder jemand mit einer langsamen Internetverbindung surft. Ebenso können Textbeschreibungen zu komplexen Grafiken alle Nutzer dabei unterstützen, visuelle Darstellungen besser zu verstehen.
Untertitel bei Videos helfen nicht nur Menschen mit einer Höreinschränkung. Sie helfen auch Nutzern, die den Ton in einer bestimmten Situation nicht abspielen können, etwa in Bus und Bahn. Und sie helfen Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, die Inhalte besser zu verstehen.
Beispiel: In deinem Reiseblog beschreibst du ein Bild im Alternativtext nicht nur mit "Strand", sondern mit "Weißer Sandstrand mit türkisblauem Wasser und Palmen". Eine komplexe Grafik zum Einfluss von KI auf den Arbeitsmarkt erläuterst du zusätzlich in einem verbundenen Text. Und der Imagefilm deines Unternehmens bietet die Möglichkeit, Untertitel und vielleicht sogar ein Transkript zu aktivieren.
Tastaturfreundliche Bedienung
Eine Website, die sich vollständig per Tastatur bedienen lässt, ist nicht nur für Menschen mit motorischen Einschränkungen wichtig. Auch geübte Nutzer, die gern mit Tastenkürzeln arbeiten, freuen sich darüber. Ein sichtbarer Fokus zeigt dabei jederzeit an, wo man sich gerade auf der Seite befindet.
Beispiel: In einem Warenwirtschaftssystem lassen sich alle wichtigen Funktionen per Tastenkombination aufrufen. Das spart Nutzern, die täglich damit arbeiten, viel Zeit und erhöht die Produktivität spürbar.
Verständliche Formulare und hilfreiche Fehlermeldungen
Formulare sind oft die entscheidende Hürde zwischen Interesse und Abschluss. Klar beschriftete Eingabefelder, die auch für einen Screenreader korrekt hinterlegt sind, machen das Ausfüllen für alle einfacher. Fehlermeldungen sollten verständlich formuliert sein und konkret erklären, was zu tun ist. Farbe allein reicht dabei nicht aus, um einen Fehler zu kennzeichnen, denn nicht jeder kann sie gleich gut wahrnehmen.
Beispiel: Statt einer roten Umrandung ohne Erklärung zeigst du im Kontaktformular einen deutlichen Hinweis wie "Bitte gib eine gültige Mailadresse ein". So verstehen alle Besucher sofort, woran es hakt, und brechen den Vorgang seltener frustriert ab.
Responsives Design und Nutzung auf allen Geräten
Eine barrierefreie Seite passt sich flexibel an unterschiedliche Bildschirmgrößen und Zoomstufen an. Menschen, die Inhalte stark vergrößern, sind darauf angewiesen. Profitieren tun aber alle, die mit dem Smartphone, dem Tablet oder einem kleinen Laptop unterwegs sind. Inhalte, die auch bei starker Vergrößerung nicht verrutschen oder abgeschnitten werden, wirken auf jedem Gerät aufgeräumt.
Beispiel: Deine Landingpage bleibt auch dann übersichtlich und bedienbar, wenn ein Besucher die Schrift auf 200 Prozent vergrößert. Schaltflächen bleiben erreichbar, Texte lesbar und nichts überlappt.
Schnelle Ladezeiten und stabile Darstellung
Barrierefreiheit denkt auch an Situationen, in denen nicht alles perfekt funktioniert. Sauberer Code, sinnvolle Beschriftungen und schlanke Inhalte sorgen dafür, dass eine Seite auch bei einer schwachen Verbindung oder mit einer Hilfstechnologie zuverlässig funktioniert. Das kommt der Ladezeit und der Stabilität für alle zugute.
Beispiel: Ein Bild mit hinterlegtem Alternativtext liefert selbst dann eine Information, wenn es aufgrund einer langsamen Verbindung gar nicht erst erscheint. Niemand steht vor einer leeren Fläche und rätselt, was dort zu sehen sein sollte.
Einfache und klare Sprache
Texte in einfacher, klarer Sprache sind für Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder einer Leseschwäche wichtig. Sie machen deine Inhalte aber auch für alle anderen leichter verständlich und schneller erfassbar.
Beispiel: In deinem Technikblog erklärst du komplexe Themen so, dass auch Einsteiger sie verstehen. Davon profitieren alle Leser, weil sie die Informationen schneller aufnehmen und direkt anwenden können.
Konsistenz und vorhersehbares Verhalten
Wenn sich Elemente auf jeder Seite gleich verhalten, muss niemand neu lernen, wie die Website funktioniert. Schaltflächen sehen aus wie Schaltflächen, Links sind als Links erkennbar und die Navigation liegt überall an derselben Stelle. Für Menschen mit kognitiven Einschränkungen ist das eine große Hilfe. Für alle anderen ist es schlicht angenehm.
Beispiel: Die Schaltfläche zum Absenden eines Formulars trägt auf der gesamten Seite dieselbe Farbe und Form. Besucher erkennen sofort, wo sie klicken müssen, ganz ohne nachzudenken.
Wenn Barrierefreiheit und Usability doch einmal aufeinandertreffen
Nur sehr selten kann es zu einem Zielkonflikt zwischen Barrierefreiheit und Usability kommen. Ein Beispiel: Eine sehr verspielte, animationsreiche Gestaltung kann optisch reizvoll sein, aber Menschen mit einer Reizempfindlichkeit überfordern oder mit einem Screenreader schwer erfassbar sein. In solchen Fällen lohnt es sich, nach einer Lösung zu suchen, die beide Ziele berücksichtigt, etwa indem sich Animationen bei Bedarf reduzieren lassen.
In der überwiegenden Mehrheit der Fälle gilt jedoch: Was barrierefrei ist, ist auch besser bedienbar. Ein Widerspruch ist die Ausnahme, nicht der Regelfall.
Barrierefreiheit und Usability verfolgen dasselbe Ziel
Barrierefreiheit und Usability verfolgen dasselbe Ziel: eine Website, die möglichst viele Menschen problemlos nutzen können. Eine klare Struktur, gute Kontraste, sinnvolle Alternativtexte, eine tastaturfreundliche Bedienung und eine verständliche Sprache helfen nicht nur Menschen mit einer Beeinträchtigung. Sie machen deine Seite für alle angenehmer, schneller und erfolgreicher.
Auf der Seite der Web Accessibility Initiative (WAI) findest du Tipps für die ersten Website-Anpassungen im Bereich Text, Design und Entwicklung. Leider gibt es diese Website nur in englischer Sprache.
Hier kommst du zur WAI-Website
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Nils ist unser Spezialist für User Experience (UX) und barrierefreie Webinhalte. Er ist unter anderem zertifizierter UX-Manager und Certified Professional in Accessibility Core Competencies (CPACC).
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