Die fünf wichtigsten Merkmale einer barrierefreien Website

18 März, 2025

Barrierefreiheit ist längst kein Nischenthema mehr, sondern ein zentraler Bestandteil guter Webentwicklung. Millionen Menschen in Deutschland leben mit Seh, Hör, Motorik oder kognitiven Einschränkungen und sind im Alltag auf gut zugängliche digitale Angebote angewiesen. Hinzu kommt: Seit Juni 2025 verpflichtet das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) viele Unternehmen dazu, ihre digitalen Produkte barrierefrei zu gestalten.

Wir haben uns im Team die Frage gestellt, was aus unserer Sicht die fünf wichtigsten Merkmale einer barrierefreien Website sind. Hier kommt unser Ergebnis, ergänzt um praktische Hinweise für die Umsetzung.

Gute Tastaturnavigation

Jede Funktion einer Website muss ohne Maus zugänglich sein. Menschen mit motorischen Einschränkungen sowie viele Screenreadernutzer bewegen sich ausschließlich über die Tabtaste, Pfeiltasten oder andere Tastaturkürzel durch eine Seite. Wichtig dabei sind vor allem drei Punkte:

  • Alle interaktiven Elemente wie Links, Buttons, Menüs und Formularfelder müssen per Tastatur erreichbar und bedienbar sein.
  • Die Reihenfolge, in der Elemente beim Durchtabben angesprungen werden, sollte logisch der visuellen Struktur folgen.
  • Fokusmarkierungen müssen deutlich sichtbar sein, damit Nutzerinnen und Nutzer jederzeit erkennen, wo genau sie sich gerade befinden.

Ein gut sichtbarer Fokusrahmen und eine klare Sprungmarke zum Hauptinhalt (Skip Link) sind hier besonders hilfreich.

Alternativtexte für Bilder und Medien

Bilder benötigen aussagekräftige Alternativtexte, damit Screenreadernutzer verstehen, was auf einer Grafik oder einem Foto zu sehen ist. Ein guter Alternativtext beschreibt kurz und präzise den Inhalt und die Funktion eines Bildes, ohne unnötige Füllwörter.

Auch bei anderen Medienformaten gibt es klare Anforderungen:

  • Videos benötigen Untertitel für gehörlose und schwerhörige Nutzer.
  • Bei visuell wichtigen Inhalten, die nicht im Ton erklärt werden, ist zusätzlich eine Audiodeskription sinnvoll.
  • Rein dekorative Bilder ohne Informationswert sollten für Screenreader ausgeblendet werden, damit sie den Lesefluss nicht unnötig unterbrechen.

Klare Struktur und verständliche Inhalte

Eine gute Informationsarchitektur ist die Grundlage für Verständlichkeit. Überschriften müssen logisch gegliedert sein, von H1 bis H6, ohne Ebenen zu überspringen. Das erleichtert nicht nur Screenreadernutzern die Orientierung, sondern verbessert auch die allgemeine Lesbarkeit für alle Besucherinnen und Besucher.

Weitere Aspekte, die zu einer klaren Struktur gehören:

  • Einfache, verständliche Sprache hilft Menschen mit kognitiven Einschränkungen, geringer Lesekompetenz oder Deutsch als Fremdsprache.
  • Formulare sollten aussagekräftige und eindeutig zugeordnete Labels haben, damit jede Person weiß, welche Angaben erwartet werden.
  • Fehlermeldungen in Formularen sollten konkret benennen, was falsch ausgefüllt wurde und wie der Fehler behoben werden kann.

Gute Kontraste und flexible Schriftgrößen

Text muss sich deutlich vom Hintergrund abheben, damit er auch bei eingeschränktem Sehvermögen, Farbsehschwäche oder starkem Umgebungslicht gut lesbar bleibt. Die WCAG Richtlinien geben hierfür klare Werte vor: Für normalen Text wird ein Kontrastverhältnis von mindestens 4,5 zu 1 empfohlen, für große Überschriften genügt ein Verhältnis von 3 zu 1.

Genauso wichtig ist Flexibilität bei der Darstellung:

  • Nutzerinnen und Nutzer müssen die Schriftgröße im Browser vergrößern können, ohne dass Texte abgeschnitten werden oder das Layout zerbricht.
  • Zeilenabstände und Textbreiten sollten so gewählt sein, dass auch bei größerer Schrift ein angenehmes Lesen möglich bleibt.
  • Informationen dürfen niemals ausschließlich über Farbe vermittelt werden, etwa bei Pflichtfeldern oder Statusmeldungen.

Kompatibilität mit Screenreadern und assistiven Technologien

Die Website sollte semantisches HTML verwenden, damit Screenreader Inhalte korrekt erkennen und vorlesen können. Wer beispielsweise eine Schaltfläche nur optisch wie einen Button gestaltet, technisch aber ein einfaches DIV Element verwendet, sorgt für Verwirrung bei assistiven Technologien.

ARIA Attribute helfen zusätzlich, wenn interaktive Elemente mehr Kontext benötigen, etwa bei dynamisch eingeblendeten Inhalten, Tabs oder Akkordeons. Grundsätzlich gilt dabei: So viel semantisches HTML wie möglich, so viel ARIA wie nötig. Formulare, Buttons und Links müssen zudem sinnvoll und eindeutig beschriftet sein, damit ihre Funktion auch ohne visuellen Kontext klar wird.

Barrierefreiheit als laufender Prozess

Natürlich gibt es noch viele weitere Kriterien, die für eine barrierefreie Website wichtig sind, etwa die Bedienbarkeit auf mobilen Geräten, ausreichend große Klickflächen oder verständliche Zeitbegrenzungen bei zeitkritischen Vorgängen. Gerade am Anfang hilft es jedoch, Prioritäten zu setzen und zu entscheiden, welche Anpassungen zuerst umgesetzt werden sollten.

Ebenso wichtig ist die richtige Haltung gegenüber dem Thema: Eine barrierefreie Website ist kein einmaliges Projekt, das nach dem Launch abgeschlossen ist, sondern ein laufender Optimierungsprozess. Neue Inhalte, neue Funktionen und technische Änderungen sollten immer wieder auf ihre Zugänglichkeit hin überprüft werden.

Kostenfreie Beratung

Wenn du Fragen rund um eine barrierefreie Website hast, beraten wir dich gerne.

Hier kommst du zu unserem Anfrageformular