ARIA: Was steckt dahinter und warum ist es für barrierefreie Websites so wichtig?

17.07.2024

Du hast sicher schon einmal von barrierefreiem Webdesign gehört. Aber weißt du auch, was sich hinter dem Begriff Accessible Rich Internet Applications, kurz ARIA, verbirgt? In diesem Artikel erfährst du, was ARIA ist, wie es funktioniert und warum es ein wichtiges Werkzeug auf dem Weg zu einer barrierefreien Website sein kann.

Was ist ARIA eigentlich?

ARIA ist eine Spezifikation des World Wide Web Consortiums, kurz W3C, das für zahlreiche Standards im Web verantwortlich ist. Die Spezifikation ermöglicht es, Webanwendungen und Inhalte für Menschen mit Behinderungen besser zugänglich zu machen.

Mit ARIA kannst du deinem HTML Code zusätzliche Informationen mitgeben, die selbst nicht sichtbar sind, aber von assistiven Technologien wie Screenreadern oder Braillezeilen ausgelesen und interpretiert werden. So erfahren Nutzerinnen und Nutzer, die auf solche Hilfsmittel angewiesen sind, welche Rolle ein Element auf der Seite spielt, in welchem Zustand es sich befindet und welche Eigenschaften es besitzt, auch wenn sie den Bildschirm nicht sehen können.

Warum ist so wichtig?

Moderne Websites sind heute oft dynamisch und interaktiv aufgebaut. Viele Elemente werden erst durch JavaScript erzeugt, ein oder ausgeblendet oder verändern sich, ohne dass die Seite neu geladen wird. Für assistive Technologien ist das eine echte Herausforderung, denn sie orientieren sich in erster Linie an der Struktur des HTML Codes.

Genau hier kommt ARIA ins Spiel:

  • Es beschreibt Struktur und Verhalten dynamischer Inhalte, die von reinem HTML allein nicht erfasst werden.
  • Es verbessert Navigation und Orientierung für Nutzerinnen und Nutzer von Screenreadern deutlich.
  • Es macht komplexe Webanwendungen wie Formulare, Dialoge, Menüs oder Livechats für alle Menschen leichter nutzbar.
  • Es sorgt dafür, dass Statusänderungen, etwa neue Nachrichten oder Fehlermeldungen, auch akustisch wahrgenommen werden können.

Kurz gesagt: ARIA schließt die Lücke zwischen dem, was du optisch auf dem Bildschirm siehst, und dem, was assistive Technologien tatsächlich vermitteln können.

Die drei Bausteine von ARIA

ARIA lässt sich grob in drei Kategorien unterteilen: Rollen, Eigenschaften und Zustände. Zusammen bilden sie die Grundlage, um Elemente einer Website barrierefrei beschreibbar zu machen.

Rollen

Mit Rollen teilst du assistiven Technologien mit, um welche Art von Element es sich handelt und welche Funktion es auf der Seite übernimmt. Ein Beispiel:

<div role="navigation">...</div>

Damit wird klar, dass dieser Bereich der Navigation dient, auch wenn ein div von sich aus keine semantische Bedeutung hat.

Eigenschaften

Eigenschaften liefern zusätzliche Informationen zu einem Element, zum Beispiel zu seiner Beschriftung oder zu Beziehungen zwischen Elementen. Ein Beispiel:

<button aria-pressed="false">Menü</button>

Dieses Attribut zeigt an, ob ein Toggle Button gerade aktiv gedrückt ist oder nicht, eine Information, die rein optisch oft nur an einer Farbänderung erkennbar ist.

Zustände

Zustände beschreiben, in welcher aktuellen Situation sich ein Element befindet, zum Beispiel ob ein Bereich gerade aktualisiert wird. Ein Beispiel:

<div role="alert" aria-live="assertive">Neue Nachricht erhalten!</div>

Screenreader lesen diesen Text sofort vor, sobald er im Dokument erscheint, auch dann, wenn der Fokus gerade an einer ganz anderen Stelle der Seite liegt. Solche sogenannten Live Regions sind besonders wertvoll für Chatfunktionen, Formularvalidierungen oder Statusmeldungen.

Häufige Stolperfallen beim Einsatz

So mächtig es auch ist, in der Praxis führt eine unüberlegte Nutzung schnell zu Problemen. Typische Fehler sind zum Beispiel:

  • ARIA Attribute werden gesetzt, aber nicht mit dem tatsächlichen Verhalten des Elements synchronisiert.
  • Native HTML Elemente wie button oder nav werden durch ein div mit ARIA Rolle ersetzt, obwohl das native Element von Haus aus alle nötigen Eigenschaften bereits mitbringt.
  • Zu viele Rollen und Zustände werden kombiniert, sodass Screenreader Nutzerinnen und Nutzer mit widersprüchlichen oder überflüssigen Informationen überfordert werden.

Deshalb gilt als goldene Regel: Verwende ARIA nur dort, wo natives HTML nicht ausreicht, und dann bitte richtig und vollständig. Halbe Sachen sind keine gute Idee. Ein fehlerhaft eingesetztes ARIA Attribut kann das Nutzungserlebnis sogar deutlich verschlechtern, schlimmer, als wenn du komplett darauf verzichtet hättest.

ARIA ist ein mächtiges Werkzeug

ARIA ist ein mächtiges Werkzeug, um dynamische und interaktive Webinhalte für alle Menschen zugänglich zu machen. Es hilft dabei, Rollen, Eigenschaften und Zustände von Elementen so zu beschreiben, dass assistive Technologien sie korrekt vermitteln können. Wichtig dabei ist, es gezielt, korrekt und vollständig einzusetzen, denn nur so entfaltet es sein volles Potenzial für eine wirklich barrierefreie Website.

Die Web Accessibility Initiative (WAI) stellt den Authoring Practice Guide (APG) zur Verfügung, den du beim Einsatz von ARIA unbedingt beachten solltest.

Hier kommst du zum APG auf der WAI-Website

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