Videos gehören heute auf fast jede Website. Sie erklären Produkte, stellen das Team vor oder führen durch einen Prozess. Doch ein Video ist erst dann wirklich für alle nutzbar, wenn auch Menschen etwas davon haben, die nicht hören oder nicht sehen können. Barrierefreie Videos ruhen deshalb auf drei Säulen: Untertitel, Transkript und Audiodeskription. Erst im Zusammenspiel machen sie deine Inhalte für ein möglichst breites Publikum zugänglich.
In diesem Beitrag zeigen wir dir, was hinter diesen drei Bausteinen steckt, wem sie helfen, was das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) damit zu tun hat und worauf du bei der Umsetzung achten solltest.
Warum barrierefreie Video wichtig sind
Der Grundgedanke der Barrierefreiheit lautet: Inhalte so gestalten, dass möglichst alle Menschen sie nutzen können, ganz ohne besondere Hürden. Bei Videos heißt das, den Inhalt nicht nur über einen Sinn anzubieten. Wer nicht hören kann, braucht den Ton als Text. Wer nicht sehen kann, braucht das Bild als Sprache. Wer beides kann, profitiert trotzdem oft davon, weil sich Videos so auch unterwegs, ohne Ton oder in einer lauten Umgebung verstehen lassen.
Wer von barrierefreien Videos profitiert
Barrierefreie Videos helfen einer überraschend großen Zahl von Menschen:
- Gehörlose und schwerhörige Menschen verstehen über Untertitel auch das, was gesprochen wird.
- Blinde und sehbehinderte Menschen erfassen über eine Audiodeskription auch das, was nur im Bild passiert.
- Menschen in lauten oder ganz stillen Umgebungen lesen einfach mit, etwa in Bus und Bahn oder abends neben dem schlafenden Kind.
- Menschen, die Deutsch lernen, verstehen Gesprochenes besser, wenn sie es zugleich lesen können.
- Menschen mit Besonderheiten bei Aufmerksamkeit oder Verarbeitung nehmen Inhalte lieber über mehrere Sinne und in ihrem eigenen Tempo auf.
Was für einige Menschen unverzichtbar ist, macht das Angebot am Ende für alle besser.
Baustein 1: Untertitel
Untertitel machen das gesprochene Wort sichtbar. Für gehörlose und schwerhörige Menschen sind sie oft die einzige Möglichkeit, einem Video überhaupt zu folgen. Doch nicht jeder Untertitel ist gleich.
Einfache Untertitel geben nur das gesprochene Wort wieder. Das reicht, um einem Dialog zu folgen, transportiert aber nicht alles, was im Ton passiert.
Erweiterte Untertitel, oft mit dem englischen Kürzel SDH (Subtitles for the Deaf and Hard of Hearing) bezeichnet, erfassen zusätzlich alles, was man sonst nur hören würde:
- wichtige Geräusche und Klänge, zum Beispiel [Türklopfen] oder [Applaus]
- Musik und Stimmung, wo sie eine Rolle spielen
- den Wechsel zwischen Sprechenden, damit klar ist, wer gerade redet
Für eine wirklich barrierefreie Umsetzung sind die erweiterten Untertitel der bessere Weg, denn gehörlose Menschen bekommen so nicht nur die Worte, sondern auch den Kontext.
Baustein 2: Transkript
Ein Transkript ist der gesamte Inhalt eines Videos als Text, direkt auf der Seite oder als Datei zum Nachlesen. Es bringt gleich mehrere Vorteile:
- Menschen, die Inhalte lieber lesen oder in Ruhe nachschlagen möchten, finden alles an einer Stelle.
- Wer einen Screenreader nutzt, kann sich den Text vorlesen lassen.
- Auch Suchmaschinen lesen den Text und können dein Video besser einordnen, was die Sichtbarkeit deiner Seite erhöht.
Ein gutes Transkript enthält übrigens nicht nur die gesprochenen Worte, sondern auch Hinweise auf wichtige Geräusche und darauf, wer gerade spricht. So wird es auch für gehörlose Menschen zu einer vollwertigen Alternative.
Baustein 3: Audiodeskription
Die Audiodeskription (auch Audiobeschreibung genannt) richtet sich vor allem an blinde und sehbehinderte Menschen. Eine zusätzliche Stimme beschreibt in den Sprechpausen, was im Bild zu sehen ist: eine Handlung, eine Geste, ein eingeblendeter Text oder ein Ortswechsel. So bekommen auch Menschen, die das Bild nicht sehen, die wichtigen visuellen Informationen mit.
Besonders wichtig ist die Audiodeskription bei Videos, die zentrale Inhalte nur über das Bild vermitteln, etwa eine wortlose Vorführung oder eingeblendete Zahlen und Grafiken. Wird ohnehin alles Wichtige gesprochen, ist sie oft weniger nötig. Entscheidend ist die Frage: Versteht jemand das Video auch dann, wenn er nur den Ton hört?
Barrierefreie Videos und das BFSG
Barrierefreie Videos sind längst nicht mehr nur „nice to have". Seit dem 28. Juni 2025 gilt in Deutschland das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Es setzt die europäische Richtlinie (EU) 2019/882, den sogenannten European Accessibility Act, in deutsches Recht um und nimmt erstmals auch viele private Unternehmen in die Pflicht.
Vereinfacht gesagt: Sind deine Videos Teil einer digitalen Dienstleistung für Verbraucher, etwa Produktvideos in einem Onlineshop oder Erklärvideos zu einer Buchung, müssen sie in der Regel barrierefrei gestaltet sein. Je nach Video gehören dazu Untertitel, ein Transkript und, wo nötig, eine Audiodeskription. Ein paar Punkte, die du kennen solltest:
- Bestehende Videos genießen oft Bestandsschutz. Aufgezeichnete Inhalte, die vor dem 28. Juni 2025 veröffentlicht wurden, sind in der Regel ausgenommen. Sobald du sie aber neu bearbeitest oder in einem neuen Zusammenhang veröffentlichst, können sie als neuer Inhalt gelten.
- Es gibt Ausnahmen. Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten und höchstens zwei Millionen Euro Jahresumsatz oder Bilanzsumme sind bei Dienstleistungen unter bestimmten Voraussetzungen ausgenommen.
- Verstöße können teuer werden. Je nach Fall drohen Anordnungen zur Nachbesserung und Bußgelder.
Ob und wie das BFSG genau auf dein Angebot zutrifft, hängt vom Einzelfall ab. Hier lohnt sich eine fachliche Einschätzung. Unabhängig von der rechtlichen Pflicht gilt aber: Barrierefreie Videos sind fast immer die bessere Wahl, weil sie mehr Menschen erreichen.
Auch für die Sichtbarkeit ein Vorteil
Ein oft unterschätzter Nebeneffekt: Untertitel und vor allem ein vollständiges Transkript sind auch gut für die Suchmaschinenoptimierung. Suchmaschinen können den Ton eines Videos nicht hören, den zugehörigen Text aber sehr wohl lesen und einordnen. Damit wird der Inhalt deines Videos auffindbar, und deine Seite kann für passende Suchbegriffe besser gefunden werden. Barrierefreiheit und Sichtbarkeit ziehen hier also am selben Strang.
Tipps für die Umsetzung
Damit die drei Bausteine ihren Zweck erfüllen, kommt es auf die Umsetzung an:
- Korrekt und vollständig. Untertitel und Transkript sollten frei von Fehlern sein und den Inhalt vollständig wiedergeben. Automatisch erzeugte Untertitel, etwa von YouTube, sind ein guter Startpunkt, erreichen aber selten die nötige Genauigkeit. Prüfe und korrigiere sie unbedingt.
- Synchron zum Ton. Untertitel sollten genau dann erscheinen, wenn das Gesagte fällt.
- Angenehmes Lesetempo. Untertitel sollten lange genug stehen bleiben, dass man sie in Ruhe lesen kann. Als Faustregel gilt: höchstens zwei Zeilen gleichzeitig und lieber kurze, sinnvolle Einheiten als überfüllte Blöcke.
- Gut lesbar. Achte auf eine klare Schrift, eine ausreichende Größe und einen starken Kontrast zum Hintergrund. Oft hilft eine halbtransparente Fläche hinter dem Text.
- Als eigene Untertitelspur. Am besten sind zuschaltbare Untertitel als separate Datei, etwa im Format SRT oder WebVTT. So können Nutzer sie einschalten und wieder ausschalten, und der Text bleibt in jeder Bildschirmgröße scharf. Fest ins Bild eingebrannte Untertitel sind nur ein Notbehelf.
- Ein passender Videoplayer. Der Player auf deiner Website sollte Untertitel korrekt anzeigen und sich auch per Tastatur und mit einem Screenreader bedienen lassen.
- Audiodeskription früh mitdenken. Am einfachsten ist sie, wenn du schon beim Dreh kurze Sprechpausen für die Beschreibung einplanst.
Auf der Seite der Web Accessibility Initiative (WAI) findest du noch weitere Informationen zu den Anforderungen an Videos. Die Seite ist aber leider nur auf englisch.
Beispiel für ein barrierefreies Video mit Untertitel und Transkript
Hier kommt einmal als Beispiel unser Video von der Startseite, in dem erläutert wird, wie ein Website-Projekt bei uns abläuft.
Das Video wird über die Videoplattform Vimeo eingebunden, die auch den Untertitel und das Transkript automatisch erstellt. Beide Texte sollten sorgfältig Korrektur gelesen werden. Wir bieten aber noch zusätzliche ein beschreibendes Transkript an, das auch wichtige Metafinformationen wie die Sprecher/in angibt.
Hier kannst du dir das beschreibende Video-Transkript anschauen
Barrierefreie Videos: drei Bausteine, ein Ziel
Untertitel, Transkript und Audiodeskription sind zusammen ein wirkungsvoller Weg, um deine Videos und damit deine ganze Website ein gutes Stück barrierefreier zu machen. Sie helfen gehörlosen, schwerhörigen, blinden und sehbehinderten Menschen, erleichtern das Mitschauen unterwegs, unterstützen Menschen beim Deutschlernen, verbessern deine Sichtbarkeit in Suchmaschinen und helfen dir dabei, die Anforderungen des BFSG zu erfüllen.
Wenn du Videos für deine Website produzierst, plane diese drei Bausteine am besten von Anfang an mit ein. So machst du deine Inhalte für mehr Menschen zugänglich und erhöhst die Chance, dass sie gesehen, gehört, gelesen und verstanden werden.
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Alex ist bei uns Geschäftsführer und Spezialist für Barrierefreiheit sowie Datenschutz.
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